2026-04-02
Wer hätte gedacht, dass das Dorf Haldenstein, eine Aussengemeinde Churs ennet dem Rhein und mit dem Ortsbus erreichbar, nicht nur 3 Burgruinen und ein Schloss auf seinem Gebiet hat, sondern bis 1803 ein eigenes souveränes Fürstentum war mit dem Recht, Gold und Silbermünzen zu prägen. Aufmerksame Beobachter konnten schon auf der Anfahrt über dem Dorf im Wald die hochaufragenden Turmreste der einen Ruine erspähen und dann noch höher über einer steilen Fluh die Katzenburg, die so genannt wird, weil die Fassadenreste einer liegenden Katze ähneln. Wenn Reini zu einer Tour einlädt, dann ist es selten eine simple Wanderung, sondern es gibt immer irgendwelche naturkundlichen oder historischen Highlights. Nach dem obligaten Morgenkaffee mit Gipfeli steigt der Weg rasch über die Dächer des Dorfes. Da führt Reini ins Thema ein, erwähnt, dass es in Mittelalter die kleine Schicht des Adels gab mit seiner Waffengewalt und des Klerus mit seiner Gewalt über das Seelenheil. Und daneben die grosse Zahl der Unfreien, Leibeigenen, meistens Bauern. Aber fähige, vertraute Dienstleute konnten in den untersten Adelsstand erhoben werden und dann mit Hilfe ihre Herren Burgen bauen, wie die zwei die wir heute besuchen werden.
Stetig höher steigt das Waldsträsschen bis unter eine mächtige Felswand, welche die Calandaflanke durchzieht. Durch eine Lücke führt der Weg hoch auf die Rückseite der Fluh, auf der Lichtenstein liegt, die besagte Katzenburg. Ausser der prominenten Südfassade ist nicht viel von der inneren Ordnung der Burg auszumachen. So laufen wir ein wenig zurück bis bald der felsige, anspruchsvolle Waldweg zur nächsten Ruine hochsteigt. Im Abschluss einer mächtigen Balm der Felswand steht die massive Aussenmauer der (Ch)Grottenburg, einer in Friedenszeiten nicht bewohnten Fluchtburg. Es erstaunt, wie weit oben sich die Dorfbewohner in Sicherheit gebracht haben. In einer Ecke der Grotte ist ein Moosbewuchs auszumachen, wo im stetigen Geriesel eine kleine Quelle aus den Felsen tritt.
Vorsichtig den Weg wieder absteigend und dann auf dem Strässchen kommen wir weiter unten zu einer weiteren Abzweigung zur Burg Haldenstein. Die hat nicht nur dem Geschlecht der Haldensteiner den Namen gegeben, sondern auch dem Dorf und der ganzen Herrschaft. Imposant auf einem Felsklotz erbaut mit einem dreieckigen Wehrturm ragt sie aus dem steilen Abhang empor. Leider ist kann sie nicht betreten werden, nur einige Mutige finden einen Zugang nach einer Kletterpartie durch eine enge Maueröffnung.
Wieder unten im Dorf treten wir in den noch in winterlicher Ruhe verharrenden Schlossgarten und bewundern den mächtigen Bau des Renaissance-Schlosses. Ein Geviert aus hohen Gebäudeteilen umschliesst einen Innenhof. 1548 fertiggestellt von einem der vielen wechselnden Besitzer der Herrschaft Haldenstein, welcher nicht mehr auf der unkomfortablen Höhenburg hausen wollte, enthält es angeblich 99 Räume, darunter prächtige Säle und kunstvoll ausgebaute Zimmer.
Mit einem Abschiedstrunk vor der Heimfahrt endet dieser informationsreiche Tag.
Bericht: Hansruedi Rutz
Bilder: Ruedi Flotron