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Auf den wilden W's der Berner West Haute Route

2026-03-14

Eine Sektionstour beginnt für mich immer mit einer besonderen Spannung. Die zufällig zusammengewürfelte Gruppe bildet einen spannenden Gegensatz zum Alltag, in dem wir uns meist unter Gleichgesinnten bewegen. Gemeinsame Anstrengungen, technische Passagen und eindrückliche Momente lassen schnell eine besondere Verbindung entstehen. Auf der Berner Haute Route mit ihren „wilden W’s“ zeigt sich schon bald, dass unsere Gruppe bestens harmoniert. Das Wetter meint es gut mit uns, und Co-Leiter Stephan nimmt uns unterwegs immer wieder mit auf eine spannende Zeitreise in die geologische Vergangenheit der Berner Alpen.

Mit der Luftseilbahn erreichen wir bequem den Sex Rouge. Bei strahlendem Wetter besteigen wir den Sommet des Diablerets und geniessen die einmalige Fernsicht auf die Walliser Viertausender und den Mont Blanc – wohl wissend, dass sich dies in den kommenden Tagen ändern wird. Saharastaub ist bereits angekündigt. Nach einer rassigen Abfahrt, teilweise über Skipisten, erreichen wir die Cabane des Diablerets. Auf der sonnigen Terrasse stimmen wir uns – als einzige Gäste – bei einem Vegi-Spezialmenü auf die bevorstehenden Tourentage ein.

Der zweite Tag beginnt überraschend gemütlich: Die Skipiste für den Aufstieg zum Col de Zanfleuron wird erst um 08.15 Uhr freigegeben. Die anschliessende Abfahrt über den Glacier de Zanfleuron zum Col du Sanetsch ist bei frühlingshaften Temperaturen ein Genuss. Auf dem Grat zum Arpelistock müssen wir erstmals die Skier auf den Rucksack schnallen – nun wird die Tour ihrem Namen langsam gerecht. Nach einer Pause auf dem Gipfel fahren wir durch das wilde Furggetäli zur Geltenhütte ab. Hüttenwartin Susanne empfängt uns herzlich, verwöhnt uns kulinarisch und teilt gerne einen Apricot-Schnupf mit uns. In der heimeligen SAC-Hütte sind nur wenige Gäste – im grosszügigen Massenlager verlieren wir uns beinahe aus den Augen.

Am dritten Tag wird es nochmals etwas wilder. Im schattigen Aufstieg zum Col du Brotsé sind Harscheisen angesagt. An exponierten Stellen pickelt Silvan eine Spur in den harten Schnee. Trotzdem löst sich bei einer Spitzkehre plötzlich ein Ski und fährt den Hang hinunter. Zum Glück wird er von einem Felsblock gestoppt – eine kurze Schrecksekunde, dann grosse Erleichterung. Beim Umrunden der imposanten Südwand des "Le Pucé" staunen wir über die abwechslungsreiche Landschaft. Auf dem Wildhorngletscher zeigt sich der Berg von seiner freundlichen Seite: Ein Gebirgsflugzeug übt Gletscherlandungen, während Schneeschuhläufer ihre Spuren in den Schnee ziehen. Nach einer ausgedehnten Gipfelrast fahren wir über die Gletscher von Wildhorn und Chilchli hinunter zur Wildhornhütte. Dort herrscht deutlich mehr Betrieb – und das spärlich fliessende Wasser im Waschraum erinnert daran, wie schwierig die Wasserversorgung für SAC-Hütten mit dem Rückzug der Gletscher werden kann.

Nach einem reichhaltigen Frühstück steigen wir am nächsten Tag zum Schnidejoch auf. Durch das Abschmelzen des Gletschers wurden hier gut erhaltene Funde aus der Bronzezeit entdeckt – ein Hinweis darauf, dass dieser Pass einst ein wichtiger Übergang durch die Alpen war. Nach dem kurzen Aufstieg aufs Schnidehore folgt eine abwechslungsreiche Abfahrt zur Plan des Roses. Die Wildstrubelhütte ist schon von weitem zu sehen, doch der Weg dorthin zieht sich noch etwas. Der Abstecher aufs Wysshore mit seinem grandiosen Panoramablick, der Sonnenuntergang auf der Terrasse und die ausgezeichnete Küche runden den Tag perfekt ab.

Am fünften und letzten Tag durchqueren wir frühmorgens die weite Ebene der Plaine Morte. Die Luft ist wieder klar und frisch, die Morgensonne wirft lange Schatten auf den Schnee und Milliarden von Schneekristallen funkeln im Licht. Ausser dem leisen Quietschen der Skischuhe herrscht völlige Stille. Auf einer Ideallinie führt uns Silvan über den Südwestgrat zum Gipfel des Wildstrubel. Die Überraschung ist gross, als mich die Gruppe dort mit einem singenden „Happy Birthday“ empfängt. Schöner kann ein Geburtstag kaum sein.

Nach einer genussvollen Pause geniessen wir die Abfahrt zur Lämmerenhütte und nehmen einen letzten Aufstieg zum Roten Totz in Angriff. Wir lassen den Blick ein letztes Mal über die imposanten Felsbänder schweifen, denen wir auf der Abfahrt bis zum Berghotel Schwarenbach folgen. In der Gartenbeiz stossen wir auf die gelungene Tour an, bevor wir zur finalen Abfahrt nach Sunnbüel aufbrechen und unsere Heimreise antreten.

 

Ein herzliches Dankeschön an Silvan und Stephan, welche uns während fünf Tagen durch die wilde Landschaft der Berner Haute Route führten sowie an alle Teilnehmenden für die tolle Stimmung in der Gruppe.

Dabei waren: Walo, Cornelia, Martin, Heike, Iris und Christoph (Bericht). 

Tourenleiter: Silvan Ebneter und Stephan Wohlwend

 

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