2025-12-18
Am Schluss der Besichtigung steht die SAC-Gruppe hoch auf der Dachbalustrade der limmatseitigen Fassade des Bahnhofs und schaut hinunter auf eine goldene Säule zwischen zwei Skulpturen.
Diese markiert den Bahnkilometer 0 der ersten Linie von Zürich nach Baden, mit deren Eröffnung 1847 – ein Jahr vor Gründung des eidgenössischen Bundestaats - in der Schweiz das Eisenbahnzeitalter und -fieber begonnen hat. Der schon damals sehr prächtige Zürcher Bahnhof wurde bereits nach 18 Jahren durch den heutigen Bau mit der triumphbogenartigen Fassade zum Bahnhofsplatz und dem weit gespannten Bogendach über der Bahnhofhalle ersetzt. Doch nicht um die historischen Bauten geht es heute, sondern um die in weniger als 20 Jahren hinzugekommenen unterirdischen Teile des HB.
Immer wieder mal lockt Monika uns SAC-Landeier zu interessanten Exkursionen in die Stadt. Und so folgen denn 20 Senior:innen - es hatten sich noch etliche mehr angemeldet - gebannt den Worten unseres Führers Felix Hollenstein. Nach einem Film, der uns schon mit einem Übermass an Informationen versorgt hat geht es Schlag auf Schlag weiter.
Bis zu sieben Stockwerke unter den Perrons erstrecken sich die Bauten, die unteren zwei Geschosse mit vor allem Technikräumen nur über Treppen erreichbar, die übrigen mit unzähligen Liften, Rolltreppen und Treppen. Hundertausende Passagiere verkehren da tagein und tagaus. Ein einziger Zug kann auf 400 m langen Perrons bis zu 2‘000 Fahrgäste entladen oder aufnehmen und die Züge folgen sich häufig im Zweiminutentakt.
Gegen eine halbe Million Kunden täglich kaufen 365 Tage im Jahr in den Läden des grössten Einkaufscenters ein. Die Migros HB ist der Laden mit dem schweizweit grössten Umsatz.
Über den unterirdischen Gleisen fliesst die Sihl durch den Bahnhof und ein neuer Velotunnel nutzt das Relikt der einen Röhre des Autobahnprojekts Sihlhochstrasse, deren nicht mehr weiter gebauter Stumpf weit in den Vororten abrupt mitten im Fluss endet. Die Untertunnelung des Bahnhofs war aber schon gebaut. Angeschlossen an den Velotunnel ist ein Parkraum mit Platz für 1‘500 Fahrräder samt Velowerkstatt und Servicestation.
Übrigens: Der etwas überdimensioniert wirkende Saal, in dem wir unsere Exkursion begonnen haben, ist ein Rest der anderen Röhre.
Vor allem zwei der vier unterirdischen Bahnhöfe und die ausgedehnten Verkehrsflächen mit Läden und ihre Versorgungseinrichten besuchen wir. Ausser dem untersten Bahnhof für die direkte Linie St. Gallen-Bern, den ja alle von uns kennen, gibt es noch einen Bahnhof der Uetliberg- und Sihltalbahn unter dem Bahnhofplatz, den durchgehenden S-Bahnhof Museumsstrasse, der den östlichen Kantonsteil bedient und den wenig später gebauten, auch durchgehenden Bahnhof Löwenstrasse für die westlichen Gebiete.
Auf unzählige Details weist unser Führer uns hin: Auf die vorschriftsmässige Breite aller Bewegungsflächen um die Besucherströme zu bewältigen, auf die Farbwahl der Anschriften nur in blau, um die Notfallhinweise in Grün oder Rot deutlich zu machen, auf die vielen Feuerlöschposten für Soforthilfe, auf die Rauchschürzen bei den Treppenaufgängen, damit der Rauch nicht nach oben steigt und die Rauchabzuganlage, die je nach Temperatur an der entsprechenden Stelle Klappen öffnet, den streng gesicherten Raum - fotografieren verboten - mit den Gebläsen, die im Notfall hunderte von Kubikmeter Rauch pro Sekunde durchs Dach blasen können.
Zu der heikelsten Stelle dahinter, der gesamten Elektroverteilung des Bahnhofs und den Notstromgruppen, deren Schäden im Fall eines Attentats schlimmste Folgen haben könnten, erhalten wir keinen Zutritt.
Dutzende andere interessante Fakten weiss unser Führer zu erzählen. Doch fast sind wir froh, unser Aufnahmevermögen an Information ein wenig ruhen zu lassen und den kurzen Fussmarsch zum Zeughaushof anzutreten, wohin wir für unser Mittagessen mit sechs äusserst gluschtigen Menuvorschlägen gelockt wurden. Beim gemütlichen Zmittag können wir die Eindrücke von diesem sehr erlebnisreichen Tag verarbeiten.
Der Nachmittag steht zur freien Verfügung.
Bericht: Hansruedi Rutz
Bilder: Ruedi Flotron