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Bergwerk Käpfnach

2025-11-13

«Glück auf!» rufen wir uns zu, ziehen unsere behelmten Köpfe ein  – ein Pfiff ertönt und unsere Lore ruckelt vorwärts. Wir durchfahren einen Stollen im Braunkohle Bergwerk Käpfnach in Horgen. Es ist feucht, kalt, düster und rechts und links ziehen 20 bis 50 cm dicke Kohleschichten an uns vorbei.

Begonnen hat unsere Führung mit Kaffee und Gipfeli im Besucherzentrum am See und fand die erste Fortsetzung im Bergbaumuseum bei den interessanten Erläuterungen von unserm kundigen Guide Peter. Braunkohle wurde in der Gegend schon früh entdeckt. Von 1784 - 1910 wurde sie staatlich abgebaut. Das Bergwerk rentierte jedoch nie, da die Kohleschicht zu klein war und Braunkohle nur etwa die halbe Heizleistung von Steinkohle aufweist, die vorwiegend aus Deutschland importiert wurde. Kriegszeiten verhalfen dem Bergwerk zu etwas Aufschwung, bis es 1947 ganz geschlossen wurde. Ein eindrücklicher Originalfilm aus dem Jahre 1943 rundete den Besuch im Museum ab.

Auf unserer Fahrt durch den Stollen machen wir an einem Abbauschlitz halt, wo uns eindrücklich demonstriert wird, wie schwer und mühselig die Arbeit der ehemaligen Bergleute war, die in einer achtstunden Schicht, seitlich liegend mit Meissel und Hammer die Kohle aus dem Fels schlagen mussten - bei schlechter Beleuchtung, nur 13 Grad Celsius und hundert prozentiger Luftfeuchtigkeit, jedoch mit genügend Sauerstoff, der durch seitliche Stollen zugeführt wurde. Dank der guten Bezahlung fanden sich immer genügend junge Burschen, die die harte Arbeit einige Jahre auf sich nahmen. Während dem 2. Weltkrieg waren bis zu 260 Leute beschäftigt, die jedoch in fünf Jahren nur so viel Kohle abbauten wie heute ein grosser Schaufelbagger in einem deutschen Tagbau-Kohlebergwerk in einem Tag. 

Dass das Bergwerk für Besucher zugänglich ist, ist dem Bergwerkverein Käpfnach zu verdanken, dessen aktive Mitglieder in Fronarbeit den Stollen zugänglich und betriebsbereit machten, ihn unterhalten und auch die Führungen organisieren.

Froh sind wir, nach einer halben Stunde unbeschadet aus dem Stollen zu fahren und unsere Rücken wieder strecken zu können. Bei mildem Herbstwetter wandern wir zum See hinunter, wo wir im Restaurant Imperiale mit freundlichem Service und feinen Pizzen à discrétion verwöhnt werden.

Eine kurze Verdauungswanderung dem herbstlichen Aabach entlang und zurück zum See bringt uns auf die Idee, mit der Fähre auf die andere Seite zufahren. Wie Schulkinder erfreuen wir uns an der stimmungsvollen, kurzen Fahrt.


Herzlichen Dank Evi und Elisabeth für den abwechslungsreichen Tag.


Bericht: Marie-Louise Simmen

Bilder: Ruedi Flotron

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