2025-10-30
Eine spezielle Wanderung: Weniger als zwei Stunden dauert sie, gerade mal 200 Höhenmeter sind zu überwinden und nur etwas mehr als 3 km lang ist der Weg! Aber Interessantes und Beeindruckendes zu bieten hat sie wie eine «grosse» Tour: Den grössten Edelkastanienwald nördlich der Alpen mit 1850 Bäumen, die spezielle Geologie des Murgtals innerhalb der Tektonik-Arena Sardona mit hunderten von Findlingen und Felsabbrüchen in beachtlicher Grösse, beeindruckende Holzskulpturen der einheimischen Tierwelt mit entsprechenden Informationen sowie immer wieder die Aussicht auf den Walensee und die Südseite der Churfirsten.
Doch alles der Reihe nach:
29 Seniorinnen und Senioren machen sich auf den Weg nach Murg. Die Überraschung am Morgen: Nieselregen! Aber kurz vor unserem Ziel dringt die Sonne zwischen den Wolken durch und es bleibt trocken. Im Restaurant Fux-Träff gegenüber dem Bahnhof gibt’s wie gewohnt Kaffee und Gipfeli und die ersten Informationen von Monika, der Tourenleiterin: Das Murgtal, ein Föhntal begünstigt das Gedeihen der bis 100 Jahre alten und 30m hohen Bäume. 5 Sorten wachsen hier und werden im Oktober geerntet. In diesem Jahr bereits ziemlich früh. Wir werden darum kaum noch Kastanien, jedoch viele am Boden liegende offene Stachelhüllen antreffen.
An den letzten Häusern vorbei und unter der Rampe der Walenseestrasse durch erreichen wir den Wald. Auf einem dichten, gelben Laubteppich aus fein gezackten Kastanienblättern geht es bergauf. Wir begegnen den ersten zum Teil mächtigen Felsblöcken. Überwachsene, abgerundete Findlinge, die der Murggletscher hierher transportiert und abgelagert hat und weiter oben auch kantige Exemplare, die von neueren Felsabbrüchen stammen, sind zu sehen. Die Felsen des Murgtales sind vor allem in der Frost-/Tauphase im Frühjahr immer in Bewegung und alle paar Jahre ereignet sich ein grösserer Felssturz. Die Talstrasse bleibt daher über Winter und bis spät im Frühjahr geschlossen.
Wir sind am höchsten Punkt unserer Wanderung angekommen. An den Wochenenden, vor allem während der Erntezeit, sind hier Mitglieder des Vereins Pro Kastanie Murg mit einem Infostand anwesend und Ranger sorgen dafür, dass von den Besuchern ausschliesslich heruntergefallene Kastanien gesammelt und die Bäume nicht beschädigt werden.
Wir haben Zeit uns hier umzusehen. Einige von uns finden sogar noch ein paar liegengebliebene Kastanien und zum «Apero» gibt es selbstgemachte Marronichüechli, von Ruedi hochgetragen und von Monika serviert.
Gegenüber unserem Standort liegt einer der mächtigsten ausgebrochenen Felsbrocken in der Grösse eines Einfamilienhauses!
Im Abstieg durchwandern wir mehrheitlich offenes Gelände mit freiem Blick auf den Walensee und die Churfirsten. Auf einer Aussichtsplattform können wir den tief unter uns liegenden wilden Murgbach mit seinem eindrücklichen Wasserfall beobachten. Bis nach Murg und zum See ist es nun nicht mehr weit. Am Ufer machen wir Mittagspause. Eine kleine Gruppe begibt sich dann zum Bahnhof und reist direkt ins Toggenburg zurück. Die andern wandern auf dem Uferweg, immer zwischen See, Eisenbahnlinie und Autobahn, bis Mühlehorn.
Wir stellen fest: Auch kurze Wanderungen können sehr interessant sein!
Herzlichen Dank Monika für diese Idee!
Bericht: Ruedi Flotron
Bilder: Ruedi Flotron, Eva Hehli