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Bruederloch Schönholzerswilen

2023-03-23

Zweiunddreissig SACler:innen steigen in Weinfelden ins Postauto nach Mettlen und sind gespannt auf die Leckerbissen, die uns Reini auf der heutigen historisch angehauchten Exkursion präsentieren möchte. Doch vorerst geht es in eine gewöhnliche Dorfbeiz mit Selbstbedienungs-Kaffeeautomat. Die vom Tourenleiter gesponserten Gipfeli werden allerdings geliefert – danke Reini! Der Weg beginnt erst flach an Torfstich-Seelein vorbei und schon bald eine steile Treppe hoch zum Burgturm von Anwil. Durch die Grundrissfläche von einem heutigen grosszügigen Elternschlafzimmer lässt sich vorstellen, wie eingeschränkt der adlige Hausstand hier auf zwei dunklen Stockwerken gehaust hat, trotz Annehmlichkeiten wie Kachelofen, Glasbecher und Birkhuhnbraten. Durch ein Bachtäli erreichen wir bald schon die zweite Burgstelle. Von der Wunneburg sind allerdings nicht einmal Mauerreste vorhanden – die letzten Bausteine wurden für die evangelische Kirche von Schönholzerswilen verwendet – und der imposante Burghügel tritt wegen dem hohen Waldbewuchs kaum ins Bild. Allerdings finden wir einen Hinweis auf zwei Wunneburger Brüder, die als Chorherren beim Überfall der Schwyzer auf das Kloster Einsiedeln gefangen wurden. Dieser Überfall auf das Kloster provozierte ja dann die Strafaktion der Habsburger, die mit der legendären Schlacht am Morgarten 1315 für das Ritterheer schmählich ausging. Eigentlich war es nur ein gelungener Hinterhalt, aber ich erachte den Vorfall als das wichtigste Ereignis in der jungen Eidgenossenschaft.

Weiter durch das Bachtäli hoch und über weitere Felder erreichen wir schliesslich den höchsten Punkt mit einem Rastplatz am Waldrand. Während der eine Teil der Gruppe schon bald ein prasselndes Feuer für unsere Würste am Brennen hat, steigt der andere Teil etwas hinunter für die namensgebende Attraktion der Tour, das Bruederloch. An den Flanken des Bachtals treten anfänglich senkrechte geologische Schichten hervor, zwischen denen das Loch gehauen worden ist. Dieser etwa zehn Meter lange menschgemachte Stollen mit vier kleinen Kammern stammt aus der Zeit der Christianisierung der Gegend, also etwa 600 – 700, worauf auch der frühere Name Heidenloch hinweist. Um den ursprünglichen Fluchtstollen ranken sich viele Legenden, so sollen Heinzelmännchen darin gehaust haben, später ein Einsiedler und am ersten Maisonntag wurde beim Bruederloch ein Frühlingsfest gefeiert mit Tanz und Jahrmarktsbetrieb. Durch das Tälchen steil hinunter geht der Weg, auf der anderen Seite wieder fast gleich hoch. An weiteren Feldern vorbei gelangen wir schliesslich an das vierte Glanzlicht der Tour. Über einen gratähnlichen Weg mit beidseitig steil abfallenden Waldhängen kommen wir auf eine ausgedehnte, von Menschen geebnete Hochfläche. Ein an der Basis rund dreihundert Meter langer, steiler Abhang an der Stirnseite wurde schon vor über 3'500 Jahren als Schutz für eine Höhensiedlung und Fluchtburg ausgebaut. Aus der frühen Bronzezeit, also der Zeit der Seeufersiedlungen oder Pfahlbauer, fand man älteste Spuren. In der Folge wurde die Wehranlage immer wieder verstärkt und neu bewohnt, am Ende bis in die spätrömische Zeit etwa um 300 n. Chr. Während die einen direkt nach Mettlen absteigen, machen die andern noch einen Umweg mit einem anspruchsvollen Schlussstück, das zwar nicht prähistorische Wehranlage war aber noch weit steiler. Trotzdem reichte es der Hälfte der Gruppe die nicht noch in der Selbstbedienungsbeiz etwas trinken wollte auf das frühere Postauto.

Bericht: Hansruedi Rutz

Bilder: Eva Hehli, Monika Stalder, Ruedi Flotron

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