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Rheintaler Höhenweg VI

2019-04-25

Gleis 1 - bitte einsteigen! Wir setzen uns auf die Holzbänke eines kleinen gelben Zuges,  Tür und Fenster sind offen. Ein Ruck - fast fallen wir von den Bänken - und die Fahrt beginnt. Es rattert und  knattert. Dunkel ist es in unserem Wagen, stockdunkel.  Hie und da ein Blitzen: ein Foto wird geknipst von uns Reisenden mit roten Helmen auf dem Kopf. Vorübergehend wird es hell; jemand hat seine Taschenlampe angezündet. Nach etwa zehn Minuten (zwei Kilometer sind wir gefahren) steigen wir aus. Ausnahmsweise hat Wanderleiter Walter Hehli zwei Bergführer angeheuert. Unter fachkundiger Leitung beginnt die Wanderung: 118 Treppenstufen im Licht der Taschenlampen bergaufwärts; dann etwa 300 Meter horizontal; wieder eine Treppe hoch, diesmal nur 86 Tritte; noch einmal horizontal; erneut aufwärts, teilweise über Treppen, teilweise über Fels, an einer heiklen Stelle mit Seil; nochmals horizontal und wieder aufwärts, durch Wasser diesmal. Schlussendlich gelangen wir zum höchsten Punkt der heutigen Wanderung zur heiligen Barbara. Wo zum Kuckuck hat es die SAC-Wanderer dieses Mal verschlagen?

Ein kleiner Tipp zur Lösung des Rätsels: Unsere beiden Führer nennen sich nicht Berg-, sondern Stollenführer.  Das Innere des Berges wird begangen. Die Führer sind mit einem Magnet ausgerüstet. Mit ihm beweisen sie uns, dass das Gestein Eisen enthält, viel Eisen, bis zu 60 %. In den aufwärtsstrebenden Gängen wurden bis ins Jahr 1966 des Eisens wegen zentnerschwere Steine herausgebrochen. Arbeiter schafften mit Rollwagen die losgesprengten Blöcke auf ebenen Stollen zur Seilbahn und kippten sie dort in die Kübel der Bahn. Der Staub war für die Arbeitenden kein Problem, wohl aber das ohrenbetäubende Geknatter der Bohrmaschinen und das Hämmern der Bohrstangen. Von der Rollbahn wurde das Gestein im schnurgeraden Hauptstollen mit einem kleinen Zug  hinaus transportiert und dann mit mit Pferd- und Ochsengespann zu den Schmelzöfen von Plons, Mels, Flums und Murg gefahren.  Ganze Hänge des Sarganserlandes wurden kahl geschlagen um die Öfen zu speisen, was zu Problemen führte. Drum wurde ab 1920 das Eisenerz auf langen Eisenbahnzügen ins Ausland, v.a. ins Ruhrgebiet gebracht.

Nun, denke ich, ist das Rätsel gelöst: Wir besuchen das Gonzenbergwerk bei Sargans. Die heilige Barbara ist die Schutzpatronin der Bergarbeiter.

Nach dreieinhalb Stunden  verlassen wir das Berginnere. Nur einen Teil des Stollenlabyrinths von rund 90 km haben wir gesehen  und wir staunen, was Menschen schon vor Jahrhunderten zu schaffen imstande waren.

Ja, Walter, der eindrucksvolle Gang im Bergwerk Gonzen, aber auch die  morgendliche Wanderung Trübbach - Bergwerk mit seinem Felsweg, dem Ausblick auf Pizol und Falknis und in die Rheinebene waren ein würdiger Abschluss des Rheintaler Höhenweges - herzlichen Dank!

Text:              Catherine Lieberherr

Fotos:             Ruedi Flotron

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