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strada alta

2016-04-27

Manch einer traute am Morgen des 27. Aprils seinen Augen kaum: Der Winter war in seiner vollen Grösse zurückgekehrt. Bis in die Niederungen erstrahlte alles in blendendem Weiss. 25 SeniorInnen machten sich auf den Weg Richtung Süden. Bei der Fahrt über den Sattel kamen wir uns vor wie in einem Wintermärchen. Tief verschneit präsentierte sich das Hochplateau und die verzuckerten Bäume liessen fast ein Gefühl von Weihnachten aufkommen. Deshalb warteten alle gespannt, bis wir aus dem Gotthardtunnel herauskamen. Und wirklich, den Schnee sahen wir nur auf den höchsten Bergen und die Sonne strahlte bereits vom stahlblauen Himmel.

In Faido brachten uns 2 Kleinbusse über eine kurvenreiche Strasse nach Osco. Nach dem obligaten Kafi begann unsere Zweitageswanderung, immer auf einer Höhe von ca. 1000 Metern. Doch auch hier im Tessin begann der Morgen mit 0 Grad und es ging lange, bis die Sonne ein bisschen wärmte. Für unsere vierstündige Wanderung nach Anzonico war diese Temperatur aber gerade recht. Wir staunten, dass die Natur hier oben noch weit zurück war. In stetem Auf und Ab durchwanderten wir  Wiesen und Wälder mit herrlichem Ausblick auf die gegenüberliegenden Schneeberge. Bei einer kleinen Höhle, die von oben mit Ästchen behangen war, mussten wir zweimal hinschauen. Da hingen doch tatsächlich kleine Eiszapfen an den Blättern und Stielen. Es wirkte wie eine filigrane Handarbeit.

Immer wieder kamen wir durch schmucke kleine Tessiner Dörflein, aber es schien, als wären sie fast menschenleer. Mit viel Glück erwischte Karin in Rossero einen der seltenen Busse ins Tal, da sie wieder zurückkehren musste. In Calonico öffnete ein kleines Lädeli extra für uns, wo wir uns mit Glacé oder einem feinen Kaffee stärken konnten.

Um halb 5 Uhr erreichten wir unser Etappenziel, die osteriaanzonico. Hier übernachteten wir. Ein feines italienisches Abendessen und ein kräftigendes Frühstück gehörten natürlich dazu. Ich glaube, wir haben dem Restaurant die Einnahmen des Monats gerettet. Obwohl die „strada alta“ ein Bijou ist, wird sie immer seltener begangen.

Am nächsten Morgen ging’s weiter nach Pollegio. Als wir an einem grösseren Wasserfall vorbeikamen, zeigte sich nochmals die Kälte. Das Eis hatte hier wunderschöne Formen angenommen und wir standen eine Weile staunend davor.

Da ich mein Knie nicht übermässig strapazieren wollte, durfte ich die Leitung ab Sobrio an Eva Hehli und Elisabeth Künzle übergeben. Sie hatten sich im Herbst spontan bereit erklärt, diesen Teil zu rekognoszieren und unsere Tour dadurch zu retten. Merci vielmal!

Mit zwei Begleiterinnen kehrte ich nach Anzonico zurück, wo wir später den Bus nach Faido nahmen. Dort begann dann das grosse Warten (und Zittern).

Unterdessen hatte die Gruppe nach einem veritablen Abstieg Pollegio erreicht. Auch dort zeigte sich die Serviertochter des Restaurants freudig überrascht über die vielen Kunden. Der Bus hatte dann aber Verspätung, der Zug allerdings auch. In der Zeitung las ich später, dass wegen einer Stellwerkstörung in der Nähe von Bellinzona eine Stunde gar nichts mehr lief. Als um halb 4 Uhr die Strecke wieder befahren werden konnte, wurden die Verspätungen natürlich grösser und grösser. Aber schliesslich erreichten wir eine Stunde später als vorgesehen Wattwil dann doch noch.

Als ich in Uznach den Zug verliess, überraschten mich die TeilnehmerInnen zum Abschied mit einem warmen Applaus. Es hat auf jeden Fall allen mega gut gefallen. Für einige war es eine Wanderung, die sie sich schon lange vorgenommen hatten.

 

Text:          Agnes Heuberger

Fotos          Eva Hehli und Sepp  Rüegg