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JO Osterlager 2014

2014-04-18

Flitterwochen im Averstal – in etwa so könnte der ungewöhnliche Titel für diesen Tourenbericht lauten.  Denn eine Woche nach der Hochzeit von Isabelle und Lukas stand für die JÖler mit dem Osterlager bereits das nächste interne Highlight auf dem Programm. Die Frischvermählten nutzten dies direkt für eine erste, ungewöhnliche Hochzeitsreise.

Wie alle Jahre zuvor wurde die Turnhalle in Ausserferrera als Unterkunft in Beschlag genommen. 16 Tourenbegeisterte liessen auch dieses Jahr Familienfester und Ostereiersuche links liegen und entschieden sich trotz des frühen Frühlings noch einmal für vier Tage Winter und Schnee.

Regula zeigte ihre organisatorischen Qualitäten, welche gepaart mit ihrer Routine einmal mehr zu einem perfekt geplanten Osterlager führten. Dafür gebührt ihr ein herzlicher Dank.

Das Zepter, respektive die Kochkelle, hatte in der Küche zum zweiten Mal in Folge Christoph in der Hand. Und auch in seinem zweiten Jahr als Küchenchef zeigte er, welch Potential er als Gault-Millau Koch hätte. Im „Michelin"-Restaurantführer könnte er ohne weiteres als Geheimtipp aufgeführt werden. Sein Kochstil, in welchem er die traditionelle Schweizerküche mit Spezialitäten aus seiner Heimat Salzburg verbindet, lässt das Herz jedes JO-Gourmets höher schlagen. Auch an ihn geht ein grosser Dank, mit der Hoffnung, auch in den nächsten Jahren von ihm verwöhnt zu werden.

Tag 1: Chlin Hüreli und Grosshorn

Zwei Busse und ein Auto nahmen dieses Jahr den Weg vom Toggenburg ins Averstal unter die Räder. Zur grossen Freude aller Männer wurde unter anderem wieder mit dem „Christa Rigozzi"-Bus vom Skiclub Gams gereist. Richi durfte ihn sogar selbst fahren und war dabei sichtlich voller Stolz; man chauffiert schliesslich nicht alle Tage eine Miss Schweiz.

Mit Fabienne und Gian-Luca waren dieses Jahr erfreulicherweise auch zwei Neulinge aus dem JO-Nachwuchs dabei. Fabienne schien dabei das frühe Aufstehen noch etwas Mühe gemacht zu haben, ihre Morgenplanung hat jedenfalls noch etwas Verbesserungspotential.

Mit dem Chlin Hüreli (2798m ü.M.) und dem Grosshorn (2781m ü.M.) wurden dieses Jahr zwei bekannte und viel begangene Gipfel ins Programm von Tag 1 aufgenommen. Gestartet wurde in zwei Gruppen von Avers-Pürt aus. Die erste Gruppe nahm zuerst das Chlin Hüreli in Angriff, um nachher noch am Grosshorn zu attackieren. Die zwei Gruppen trafen sich auf dem Grosshorngipfel. Der Zeitplan ging perfekt auf - unter anderem dank Gregors Tempo beim Fell montieren. Angestachelt von den Sticheleien seiner Kollegen, wollte er es seinen Kritikern zeigen und verzichtete sogar darauf, seine Jacke abzulegen. Bachnass kam er auf dem Gipfel an – aber als Erster!

Nach kurzem Aufenthalt auf dem Gipfel, wo gewettet, diskutiert und Fabiennes Splitboard zusammengesetzt wurde, nahm man die erste Abfahrt in Angriff. Dabei konnte Monica mit ihrer wunderschön anzusehenden Telemark-Technik ein erstes Mal glänzen und Staunen auslösen.

Mit Schlafen, Jassen und Tischtennis (zur Freude aller Schlafenden) wurde die Zeit bis zum Znacht hinter sich gebracht. Spaghetti Bolognese oder Pesto, Fruchtsalat und Vanillecreme standen auf der Menükarte. Das Essen war eine Gaumenfreude und sorgte dafür, dass einige JÖler nahezu Löcher in den Teller schleckten. Auf einen Abwasch hätte ohne schlechtes Gewissen verzichtet werden können.

Tag 2: Tscheischhorn und „P.2880"

Unterschiedliche Gefühlslagen am späten Nachmittag bei den zwei JO-Gruppen: Während die einen von einer wunderbaren, von strahlendem Sonnenschein, Neuschnee und Windstille geprägten Tour berichteten, kehrten die andern leicht enttäuscht und geplagt von extrem starkem Wind, gepaart mit Schneefall, zurück zum Lagerhaus. Beginnen wir von vorne:

Über Nacht waren etwa 20cm Neuschnee gefallen; vielversprechend für eine wunderbare Pulverschneeabfahrt an diesem Ostersamstag. Unterteilt in zwei Gruppen verliess man voller Vorfreude das Lagerhaus.

Eine Gruppe peilte den Gipfel des Tscheischhorns (3019m ü.M.) von der östlichen Seite an, die andere machte sich von Norden her auf den Weg Richtung „P.2880", einem Punkt leicht unterhalb des Tscheischhorns. An diesem Tag zeigte sich, wie nahe beieinander gutes und schlechtes Wetter sein können. Der Tscheischhorn-Gruppe wurde von Petrus die kalte Schulter gezeigt, indem er südöstlich des Gipfelgrates mit viel Wind und weiterem Schneefall das Erreichen des Gipfels verunmöglichte. Ganz anders sah es auf der gegenüberliegenden Seite aus: eitel Sonnenschein und Windstille liessen Frühlingsgefühle aufkommen. Den angestrebten Punkt erreichte jedoch auch diese Gruppe aus Sicherheitsgründen nicht. Der frische Schnee löste stellenweise kleine Rutsche aus, deshalb wurde auf den steilen Gipfelhang verzichtet.

Frisch gestärkt nahm man die traumhafte Pulverschneeabfahrt unter die Ski. Das wunderbare Wetter auf der Sonnenseite lockte auch eine Maus aus ihrem Winterquartier. Das arme Tier irrte über den Schnee, ohne den Weg zurück zu seiner Höhle zu finden. Den Weg nach unten fand die Gruppe mit dem Wetterpech zum Glück ohne Probleme. Und so erreichte man gemeinsam Avers-Pürt – der Zeitplan ging schon wieder perfekt auf.

Der Abend wurde von Christophs Kochkünsten geprägt. Mit Salzkartoffeln, Schinkli und Dörrbohnen zauberte er uns ein wahres Festmahl auf den Tisch. Als wäre das nicht genug, brillierte er zur Nachspeise mit einer Spezialität aus seiner ursprünglichen Heimat: Buchteln gefüllt mit Puwidl und dazu Vanillesauce. Der Magen jedes JÖlers hätte vor Freude am liebsten Luftsprünge gemacht!

Auch im Osterlager dabei war Christophs Vorgängerin Annelies. Dass auch sie über unbestrittene Qualitäten in der Küche verfügt, zeigte sie, indem sie sich den Butterzöpfen für den Ostersonntagmorgen annahm. Nach dem Znacht wurde sie ausserdem für ihre langjährige Tätigkeit als Lagerköchin mit einem kleinen Präsent geehrt. zehn Jahre dürften es etwa gewesen sein. Auch an dieser Stelle nochmals ein ganz herzliches Dankeschön.

Für den Sonntag sah es wettertechnisch – wir trauten unseren Augen fast nicht – fantastisch aus. Nach drei Lagern mit garstigem Osterwetter, war uns dieses Jahr der Wettergott scheinbar hold. Und so durfte nach einigen Jahren endlich wieder einmal – vor allem zur Freude des Schreibenden – die Besteigung des Piz Platta ins Auge gefasst werden; jener markante Berg, welcher so majestätisch über dem Averstal thront.

Tag 3: Mittlerer Wissberg und Piz Platta

Bereits um 04.30 Uhr in der Frühe ging das Licht in der Turnhalle an. Möglichst beizeiten wollte man auf den Skiern stehen. Das galt vor allem für die sechs Männer, welche den Piz Platta (3392m ü.M.) auf dem Programm hatten. Schlussendlich war das frühe Aufstehen aber umsonst. Richis Schuhe fühlten sich irgendwie etwas enger an als normal. Nachdem er eine Nase voll des Innenlebens vom Schuh nahm, war klar, dass es sich nicht um seine Schuhe handeln konnte. Die Schuld wollte er natürlich seinem Schuh-Doppelgänger Stephan H. anheften: Der müsse ja schliesslich nicht die gleichen Schuhe kaufen wie er.

Leicht verspätet und gleichzeitig mit der zweiten Gruppe, welche den Mittler Wissberg (3002m ü.M.) auf dem Tagesprogramm hatte, brachte man die ersten Höhenmeter hinter sich. Die Verhältnisse waren ideal; die kühle Morgenluft und der wolkenlose Himmel sorgten für perfekte Laufbedingungen. Die aufgehende Sonne machte den Ostersonntag schliesslich zu einem Traumtag.

Die Platta-Truppe legte die ersten Meter unter dem Tempodiktat Gregors (zu) zügig zurück und war bald ausser Sichtweite der Wissberg-Gruppe. Diese nahm es etwas gemütlicher und fand auf ihrem Weg ideales Terrain vor, um die Spitzkehren zu üben. Besonders die Neueinsteiger Gian-Luca und Fabienne konnten von diesem Spezialtraining profitieren; es sei ja schliesslich noch kein Meister vom Himmel gefallen.

Für die sechs Platta-Aspiranten hiess es alsbald schon: Steigeisen montieren, Pickel in die Hand nehmen und Skis an den Rucksack schnallen. Angeführt von Stephan W. und Lukas, welche verdankenswerterweise das Spuren übernahmen, ging es hinein ins erste Couloir. Nach einem kurzen Zwischenstück auf den Skiern kam schon bald die Schlüsselstelle in Sicht: Ein zweites, 45° steiles und viel längeres Couloir gab den Sechs den Weg auf den Gipfel vor. Lukas sagte, er habe sich bei der letzten Besteigung geschworen, nie mehr ohne die Skis auf diesen Gipfel zu gehen. Dieser Korridor sei zwar eng und steil, aber durchaus fahrbar. Lukas' Wort hat Gewicht und so nahmen die Skis wieder auf dem Rucksack Platz und die letzten Meter vor dem Ziel wurden angegangen. Schliesslich war es geschafft; ausgepumpt aber glücklich genoss man die Rundumsicht auf dem Piz Platta. Einzig der kalte Wind verhinderte ein längeres „Verhocken". Bei genauem Hinsehen konnte man unten auf dem Mittleren Wissberg sehen, dass die andere Gruppe ebenfalls auf „ihrem" Gipfel angekommen war.

Während die Wissberg-Gruppe den direkten Weg hinunter ins Averstal nahm, wählten die Platta- Bezwinger die wunderbare Abfahrt auf der Südseite nach Mulegns. Die Konsequenz dafür waren danach nochmals 900 Höhenmeter Aufstieg durchs Val Gronda bis zur Tälifurgga, um wieder auf die andere Talseite zu gelangen.

Zunächst stand jedoch die erste Abfahrt auf dem Programm. Actionreich ging es los mit dem steilen Gipfelcouloir zu Beginn. Nicht alle freuten sich gleichermassen über diese Abfahrt wie die Fahrenden selber. Zwei Aufsteigende des weiblichen Geschlechts ärgerten sich über den Schnee, welcher, ausgelöst von den sechs JÖlern, über sie niederprasselte. Gentleman Richi wollte die zwei Damen mit einem Becher warmem Tee aus seiner Thermoskanne beruhigen, sie lehnten jedoch dankend ab.  Richis Charme alleine war scheinbar schon genug der Aufheiterung für die beiden.

Einen Zwischenfall mit einem gerissenen Kreuzband als Resultat gab es leider auf der Abfahrt der anderen Gruppe vom Mittleren Wissberg herunter. Die Betroffene konnte aber glücklicherweise selber bis zum Auto hinunter fahren und so einen Rega-Einsatz verhindern. Gute Besserung!

Die Geschichte des restlichen Tages schrieb dann durch verschiedenste Aktionen Gregor. An dieser Stelle ein herzliches Dankeschön des Berichtschreibers dafür, dass er immer für so viel Gesprächs- und Schreibstoff sorgt. J Angekommen in Mulegns, stärkte man sich für den Aufstieg und genoss die Sonne. Es war warm, sehr warm sogar und so entschlossen sich Gregor und Richi, den nachfolgenden Aufstieg in den Unterhosen zu bewältigen (Beweisbild auf der Website). Nach fünf Minuten Aufstieg bemerkte Gregor, dass er sein Armbändeli unten vergessen hatte. Er ging nochmals hinunter, um wenig später den Anschluss an die Gruppe im Affentempo wieder zu finden. Das Armbändeli hatte er über die ganze Zeit in seinem Jackensack...

Der zweite Aufstieg war angesichts der bereits müden Beine kein Zuckerschlecken. Stöllen an den Skiern erschwerten die letzten Meter bis zum Übergang. Besonders der Verfasser dieses Berichtes hatte zu kämpfen. Die abschliessenden Spitzkehren bis hin zur Tälifurgga lockten die letzten Reserven aus ihm. Mit einem Juchzer aus Gregors Kehle wurden die Ankömmlinge oben begrüsst. Letzterer lief überhaupt nicht auf dem letzten Zahn. Mit der Aussage, er habe den ganzen Tag über gar nichts zum Trinken dabei gehabt, versetzte er die drei neuen Tourenleiter angesichts ihrer Strapazen während des Aufstiegs in ein kollektives Tief.

Zügig ging es auf der zweiten Abfahrt zum Parkplatz hinunter. Beginnend mit Pulverschnee, gefolgt von wunderbarem Sulz und abschliessend mit Gras als Unterlage erreichte man das Auto - kaputt, aber glücklich und zufrieden über diese fantastische Ostertour.

Im Auto fiel den fünf Kollegen plötzlich auf, wie rot Gregors Kopf war. Auf Sonnencreme habe er heute verzichtet, beichtete er. Natürlich waren durch die Unterhosenaktion auch seine Beine Opfer der Frühlingssonne geworden, was sich beim Duschen im Lagerhaus deutlich zeigte. Scheinbar sei Gregor nun schon als Darsteller im Werbespot für die neue Nivea Sonnencreme-Kollektion gebucht worden.

Zum Znacht gab es Älpler-Magronä mit Apfelmus, respektive mit Vanillecreme. Als hätte Gregor den ganzen Tag nicht schon genug durchgemacht, wurde ihm diese spezielle Kombination von zwei seiner Kollegen serviert. Die Sonne schien sogar seine Sinne angegriffen zu haben, denn er bemerkte die eigenartige Geschmacksrichtung erstaunlich lange nicht.

Tag 4: Wenga-Trophy

Da der Wetterbericht für die Nacht und den frühen Morgen Schnee und in tieferen Lage Regen prognostizierte, durfte am Ostermontag bis 6 Uhr „ausgeschlafen" werden. Die Verhältnisse liessen dieses Jahr wieder einmal die traditionelle Wenga-Trophy zu, ein inoffizielles Rennen innerhalb der Osterlagergruppe hinauf zum Wengahorn-Gipfel (2849m ü.M.). Auch Chef-Leiterin Regula und ihre Schwester Isabelle liessen sich den Wettkampf nicht entgehen und versuchten bereits im Voraus mit psychologischen Taktikspielchen einen Vorteil zu erlangen. „Wir werden sicher nicht mitmachen", war im Auto auf dem Hinweg zu hören. Natürlich nur ein Vorwand, um den Druck auf die Schultern anderer abzuschieben. Denn sobald es bergauf ging, griffen sie an und folgten der extrem „gäächen" Spur Stephans.

Wer das Rennen gewann, wird an dieser Stelle nicht überliefert. Oben angekommen sind auf jeden Fall alle Teilnehmer/innen und es lohnte sich. Denn zum Schluss stand nochmals eine herrliche Abfahrt bevor, bei welcher die Taillierung am Ski eine wichtige Rolle spielte. Mit abschliessenden Carving-Schwüngen ging es nämlich Richtung Finale des diesjährigen Osterlagers.

Chauffeur Richi hatte scheinbar noch nicht genug vom Skifahren. Helm und Skibrille wollte er auf jeden Fall partout nicht ausziehen, auch nicht für die Autofahrt zurück nach Ausserferrera. Ob er die Sachen auch heute noch trägt, ist dem Berichtschreiber leider nicht bekannt.

Zurück im Lagerhaus wurde fertig geputzt und alle Resten bis „in Git iä" gegessen. Sobald alles weg war und das Haus sauber, verabschiedete man sich bis spätestens im nächsten Jahr. Denn schon heute ist klar, dass auch die Ostern 2015 ganz im Zeichen des Skitourens stehen werden.

Teilnehmende: Fabienne W., Gian-Luca K., Monica v. E., Annelies Z., Michi B., Debby G., Gregor M., Stephan H., Stephan W., Isabelle B., Lukas B., Christoph L., Marco G., Richi H., Regula A., Donat W.

Text: Donat W.