Silvretta

12.April.2018 00:00:00

Angesagt waren Skitouren von A bis Z, sprich von Arolla nach Zinal. Leider machten uns das Wetter und die Lawinensituation einen Strich durch die Planung! Hanspeter liess sich nicht beirren und präsentierte uns ein würdiges Ersatzprogramm. Von K nach G, sprich von Klosters nach Galtür. 

Donnerstag, 12. April 18:Treffpunkt war in Klosters im Kaffee „Klatsch“, ganz speziell eingerichtet. Welche Klotüre muss ich nehmen? Blablablablablablablabla oder Blabla? War nicht allen klar, denn ein Mann, der aus Blablablablablablablabla kam meinte ganz banal: „Bin ich da falsch?“ Das Blabla oder Blablablablablablablabla zog sich nun die ganzen Tage durch...

Ein Taxi fuhr uns, so weit wie möglich Richtung Novai. Im Regen zogen wir los, was schon nicht ganz das war, was wir uns unter Skitouren vorstellten. Durch einen wunderschönen Wald bis zur Alp Sardasca, wo uns Tisch und Bank unter einem Vordach erwarteten. Frisch gestärkt durchquerten wir einen Lawinenkegel und nach der Montage der Harscheisen, denn trotz des warmen Wetters war der Schnee im Steilhang sehr hart, nahmen wir die happige Steigung unter die Ski. Der Regen hörte auf, der Nebel nahm uns in Empfang! Von Stange zu Stange tasteten wir uns durch das Galtürtälli an die Hütte. Genial, diese Stangen. Je zwei Wegweiser, einer für den Aufstieg, einer für den Abstieg, darauf geschrieben, wie weit die Entfernung zur nächsten Stange ist und die Azimut für den Kompass. An jeder Metallstange hing an einer Kette ein Metallplättchen, das durch den Wind bewegt, immer wieder an die Stange schlug und so einen Glockenton erzeugte, den man auch im Nebel hörte. Es war aber erstaunlich schwierig, die Richtung des Tones einzuschlagen! Hanspeter liess sich den Weg vom GPS zeigen. Da die Felle vom Regen durchnässt waren, bildeten sich kiloschwere Schneestollen unter den Ski. Auch wachsen half nichts dagegen. Das war Training für die Hüftbeuger! Verschont blieben die Pomoca-Fell-Läufer (Dave demnächst Provision...). Endlich konnten wir die Felle abziehen und die 115 Höhenmeter zur Hütte in absoluten Blindflug abfahren. In der ausgebuchten Silvrettahütte (2337m) waren 7 Plätze für uns reserviert. Ausgebucht! An einem Donnerstag! Bei Regen! Spanier, Schotten, Engländer,...! Gerne liessen wir uns vom Hüttenteam verwöhnen, und genossen das, wie vorausgesagt, immer bessere Wetter und einen romantischen Sonnenuntergang. Vergnügen bereitete uns das Würfelspiel Sch... .

Freitag, 13. April 18:Möglichst früh Zmörgele, damit wir vor der grossen Menge dran sind! Aber soo früh war’s dann gar nicht. Beinahe als erste zogen wir bei bedecktem Himmel los Richtung Silvrettagletscher. Nach etwa zwei Stunden machten wir vor dem ersten steilen Anstieg auf 2900m einen Halt. Im Nu waren unsere Hände kalt wie Eis. Glücklicherweise verzog sich der Nebel und Hanspeter begann zu spuren. Bald zog er die Ski aus, um eine bessere Spur für uns zu treten. Der Hang war da zwischen 35 und 40 Grad steil. Mit vielen Spitzkehren erreichten wir den angepeilten Sattel auf 3040m. Dank Harscheisen konnten wir auch noch einen harten Hang bis 3170m hochsteigen. Hier machten wir das Ski-und Rucksackdepot, schnallten die Steigeisen an, stopften uns etwas Essbares in den Mund, schnappten den Pickel und stiegen weiter bergan. Abenteuerliche Pfade führten uns über schmale Grate (ist das eigentlich nur Schnee, oder hat’s da auch noch irgendwo Fels drunter?) zum Gipfelkreuz des Silvrettahorns (3243m). Bald nach uns kamen weitere Gruppen, welche sicherlich dankbar für Hanspeters gute Spur waren. Wir machten uns an den Abstieg, rüsteten uns für die Abfahrt, welche mit dem grässlich zu fahrenden hartgefrorenen, verspurten Hang begann. Nach dem Sattel erwartete uns der Steilhang. Wow, der war toll zu kurven! Weicher, lockerer Schnee. Leider waren im unteren Teil Eisknollen eingeschneit, welche zum Teil zu komischer Akrobatik führten. Langsam wurde für uns eine Essenspause existentiell, aber bis in die Sonne wollten wir noch weiter abfahren. Nur: jedes Mal, wenn wir stehen blieben, waren wir im Wolkenschatten und die Sonne war weitergezogen... aufs Essen bestanden wir trotzdem. Kalt war’s! Je näher wir der Hütte kamen, desto sulziger wurde der Schnee. Um die Ecke der Hütte erwarteten uns Liegestühle. Die Ausdauernden wurden doch hin und wieder mit wärmenden Sonnenstrahlen belohnt. Den Nachmittag verbrachten wir mit essen, trinken, schlafen, spielen und viel Blablablablablabla. Immer wieder genossen wir die Sonne auf der Terrasse und die Sonne verabschiedete sich wieder mit einem fantastischen Untergang. Und wieder vertrieben wir uns den Abend mit 5 Würfeln.

Samstag, 14. April 18:Mit all unserem Hab und Gut verliessen wir bei klarem Himmel die Silvrettahütte wie tags zuvor Richtung Gletscher. Auf etwa 2900m überschritten wir die Grenze von Schatten zu Sonne. Wie war das doch plötzlich herrlich warm! Nach dem Silvrettapass zog Hanspeter die Spur möglichst auf der Höhe zur Fuorcla dal Cunfin, wo wir österreichisches Territorium betraten. Von allen Seiten sahen wir „Ameisen“, die Richtung Grosser Piz Buin zogen. Dutzende? Hunderte? Viele! Wir waren sieben davon. Um über den Felsriegel abzusteigen, zogen wir die Ski ab. Für die kurze aber sehr steile Abfahrt fellten wir ab, um die Felle nachher nochmals für kurze Zeit anzukleben. In der Buinlücke sah es beinahe aus, wie in Mallorca am Strand. Nur standen da nicht Sonnenschirme sondern Ski. Wir bildeten zwei Seilschaften und bezwangen mit Steigeisen souverän den Gipfel (3312m), den wir erstaunlicherweise ganz für uns alleine beanspruchen durften. Zum Glück erschien ein junger Speed-Tüüreler, der unser Gipfelfoto schoss. Die Aussicht war unbeschreiblich fantastisch! Beim Absteigen richtete Hanspeter eine Abseilstelle ein. Zack, und wir waren unten! Die Aufsteigenden verdrückten sich in eine nahe Felsspalte! Es war schon Mittag und immer noch strömten von allen Seiten Menschen hinauf. Wir entschieden uns für die unkonventionelle Route: den Abstieg durchs Couloir zwischen dem Grossen und dem Kleinen Buin. Dazu schnallten wir die Ski auf den Rucksack und stiegen rückwärts mit Pickel und Steigeisen im gefühlt tropischen Klima endlos lang ab. Herrlich war’s, endlich in die Ski zu steigen! Durch frühlingshaften Sulz erreichten wir die Chamonna Tuoi (2250m). Lange sassen wir auf der Terrasse, allen glühte der Kopf. Ich glaube, die Hütte war bis auf einen einzigen Schlafplatz ausgebucht. Ach ja, da waren noch die Italiener... und das Kartenspiel Hosenabe.

Sonntag, 15. April 18:In der Tuoi-Hütte gibt’s fix für alle Frühstück zwischen 5 und 6 Uhr. Auf eisigen Pfaden stiegen wir auf.  Zwischen Hinter Jamspitz und Piz Urezzas überquerten wir die Grenze nach Österreich. Harscheisen hoch und runter, beziehungsweise an und ab. Es war sichtig, aber nicht klar. Unter der Felswand des Vorder Jamspitz errichteten wir das Skidepot. Wir bestückten uns mit Steigeisen, Helm und Pickel und stiegen die Schneetreppe beinahe senkrecht hoch. Der Wintergipfel ist etwas niedriger als der eigentliche Gipfel (3176m). Und wirklich Platz hatte es nicht für uns alle. Von oben sahen wir Menschenkolonnen, die sich in unsere Richtung bewegten. Die meisten stiegen aus dem Jamtal hoch, da, wo wir hinzielen. Aber nach kurzer Abfahrt und leichtem Schneefall hiess es für uns nochmals anfellen und hoch zum Kreuz auf dem Hinter Jamspitz (3155m), da wo die Leute mittlerweile einer neben dem anderen auf dem Grat aufgereiht waren. Eine tolle Abfahrt über den Jamtalferner und eine Beinschmerz erzeugende Hangfahrt führten uns direkt vor die riesige Jamtalhüte des DAV. Finken hat’s da keine. Die muss man für 3Euro kaufen! Kaiserschmarrn gibt’s nur im Sommer, deshalb stärkten wir uns mit Apfel- und Topfenstrudel. Den Abend verbrachten wir mit Lügen und mehreren Überraschungen unter dem Becher. Am Nachbarstisch spielten sie das selbe Spiel. Wir nennen es Meier, sie Mäxle. Laut und lustig war es hier und da!

Montag, 16. April 18:Vorausgesagt war Regen bis 2500m... Glücklicherweise schneite es in der Nacht und auch beim Start. Wir waren die ersten, die sich hinauswagten. Hanspeter war guten Mutes und erklärte uns, dass wir es einfach versuchen. Dreiländerspitze, Ochsenscharte – Bielerhöhe oder umkehren lauteten die Varianten. Nach zwei Stunden spuren, bleischweren Stollen, Lawinenrumpeln in der Ferne (?) und Nebel mit null Sicht, siegte die Umkehr. Mittlerweile folgte uns der Rest der Hütte, fragten uns bei der Abfahrt nach dem wieso... Na ja, alle müssen für sich entscheiden. Unter der Jamtalhütte vorbei, folgten wir dem markierten und mit Pistenbully festgefahrenen Weg. Skaten und Stöckeln war angesagt! Wir melden uns nächstes Jahr für den Engadiner mit den Tourenski an, die neue Disziplin für Gruppen! Wir überquerten zwei Lawinenkegel, die in der Nacht oder am Morgen den Weg verschütteten. Alle überlebten wir knapp ein Loch im Weg, welches uns die einzige Schusspassage vermieste. An grünen Wiesen vorbei erreichten wir Galtür (1582m) ohne die Ski tragen zu müssen. Vergebens war die Freude auf den Kaiserschmarrn, denn in Galtür war die Saison vorbei und alles ausser der Bäckerei  geschlossen. Nach Kaffee und Patisserie fuhr uns der Bus durchs Paznauntal hinab nach Landeck. 

Unvergesslich bleiben diese Tourentage. Tausend Dank an Hanspeter für die umsichtige Leitung und von Herzen Dank euch allen, die dabei waren. Es hat riesig Freude bereitet!

Teilnehmer: Hanspeter, Mariann, Martina, Dave, Doris, Hansruedi, Bettina

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