Silvesterchlausen

12.Januar.2019 00:00:00

Ob «schöni», «wüeschti» oder «schööwüeschti», die Ausserrhoder Silvesterchläuse sind vor allem wegen ihrem fantastischen «Groscht» bekannt. Doch ebenso, wenn nicht noch mehr, ist es das Hörerlebnis, das einem in Bann zieht. Schon von weither tönt der ein wenig scheppernde Ton der Rollen und mächtig klingen die grossen Senntumsschellen, aber auch erstaunlich weit trägt das Johlen der «Schuppel». Es ist immer ein besonderes Erlebnis, wenn die Chläuse laut schellend entgegengekommen, sich vor einem Gehöft in der Runde finden und mit kräftigen Stimmen - trotz den Larven - zum «Zäuerli» anheben, erst eine helle Stimme, dann eine zweite noch höher obenaus und schliesslich die verschiedenen Bassstimmen die «gradhäbed». Es ist auffallend, wie viele schöne Jodelstimmen da zusammenkommen. In der Regel geht das Zauren über drei Runden, immer unterbrochen vom Schellengeläut. Die Chläuse werden selbstverständlich zwischendurch mit einem Schläuchlein mit Glüh- oder Weisswein versorgt, bevor sie schliesslich der Hausfamilie eine gutes Jahr anwünschen und, der «Vorrolli» voraus, sich im Einzelsprung zum nächsten Gehöft aufmachen. Nach den «Schelli» gibt der «Nachrolli» noch einen besonderen Tanz mit Springen und Drehen, wobei seine Rollen mächtig erklingen, bevor er auch im Laufschritt sich auf den Weg macht.

Meine Frau Arlette und ich sind schon um neun Uhr angereist, da wir das Ziehen der Chläuse von Hof zu Hof durch die weissverschneite Landschaft besonders eindrücklich finden. Am Mittag empfangen wir die SAC-Gruppe, zuerst zu «Södwörscht und Chässpätzli» in der Taube, bevor wir dann froh sind, das reichliche Zmittag auf einer Schneewanderung zu verdauen. Nach einiger Zeit stossen wir auf einige «Schuppel» mit «Schööwüeschte» und sogar auf einen mit «Wüeschte». Diese vollständig mit Naturmaterialien verkleidete Figuren – Tannechries, dürres oder grünes Laub, Stroh und Flechten, auch Tierfelle - tragen furchterregende Holzlarven mit bleckenden Zähnen, grellbemalt. Sie sind die ältesten «Chläuse» und trieben ihr Unwesen schon vor der Reformation, damals noch im ganzen Appenzellerland. Die «Schööwüeschte» tragen Larven mit menschlicheren Zügen, verkleidet mit Schuppen wie Tannenzapfen. Diese haben auch meist schon eine Art Haube, ein «Schuppel» gar schon kunstvoll verziert mit verschiedenen ausgestopften Wildtieren, Wiesel, Eule, Igel oder einem Raubvogel.

Während der Rest der Gruppe wieder den gleichen Weg zurück nimmt, wechseln wir zu zweit auf die linke Seite der Urnäsch auf die Strasse. Hier herrscht zwar etwas Chilbistimmung, dafür treffen wir mehr als ein Dutzend «Schuppel», darunter rund die Hälfte «Schöni» mit ihren Samtanzügen, die «Schelli» mit bärtigen Larven und je zwei «Rollewiiber» mit süssem Lächeln und einem Röslein im Mundwinkel. Hier sind die Hauben eine Augenweide, die «Wiiber» mit an Pfauenräder erinnerndem ausladendem Kopfschmuck, farbig, reich mit Perlen, glitzernden Folien und holzgeschnitzten Figuren verziert, und beim Eindunklen leuchten sogar diverse Lämpchen. Die Mannevölcher präsentieren auf ihren flachen ausladenden Hauben ganze bevölkerte Landschaften, so etwa eine Hauskonstruktion mit vielen Zimmerleuten oder eine Darstellung des Bloch mit Stamm, Pferden und viel Volk darum herum. Die Männer tragen über die Schultern vorne und hinten riesige Schellen, weit grössere als sie Kühe tragen könnten. Selbstverständlich sind auch die «Rollenwiiber» Männer, nur schon wegen der Belastung, denn das ganze «Groscht» mit den bis zu dreizehn Rollen und der Haube wiegt zwanzig bis dreissig Kilo.

Die SAC Gruppe ist ein wenig zerfallen. Während einige sich schon früher verabschiedet haben und wir zwei, Frieda und ich, fast überwältigt von den Eindrücken uns Richtung Bahnhof aufmachen, kommen uns noch fünf Unentwegte entgegen, die auch noch «Schöni» sehen möchten und dann in der Dämmerung noch den sicher speziellen Eindruck mit den beleuchteten Hauben geniessen.

 

Text:              Hansruedi Rutz

Fotos:            Hansruedi Rutz, Karin Vosswinkel

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