Fründenhorn und Doldenhorn, 6.-8.7.2018

06.Juli.2018 00:00:00

Was für ein energiegeladenes Wochenende inklusive einstimmige Änderung der Bergbezeichnung ‚Fründenhorn‘ in „Feindenhorn“ !

Unser Bergführer Hans Fitzi musste die geplante Tour wegen Gewitter entsprechend abändern und kürzen.  Am Freitag, 6.7., trafen sich alle 9 TeilnehmerInnen – untereinander bekannte Gesichter - auf der Hinfahrt im Zug nach Kandersteg. Da noch einige Tropfen vom Himmel fielen, gönnten wir uns im „Bahnhöfli“ in Kandersteg zuerst noch einen kleinen z’Mittag.

Das Wetter-Whatsapp sagte zwar vor, dass bald kein Regen mehr fallen sollte, deshalb begannen wir mit dem Aufstieg zur Fründenhütte (2562 m). Dem war leider nicht so. Wir blieben bis zur Hütte nicht verschont und wandelten nach Kleiderwechsel den Eingangsbereich der Hütte gleich in eine Tropfsteinhöhle um. Da wir fast die einzigen Gäste waren, durften wir uns so richtig ausbreiten und unsere nassen Kleider und Schuhe sogar in die Stube zum Trocknen bringen. 

Fründenhorn (3369 m) über den Südwestgrat, 7. Juli 2018

6.00 Uhr war Abmarsch, nur ein kurzes Stück, dann montierten wir die Steigeisen. Die Route ging über den Fründengletscher hoch bis zum Fründenjoch. Hier finden alljährlich Skirennen als grossen Event statt, ein Highlight für die Fründenhütte.

Vom Fründenjoch bis zum Fründenhorn wurde nun in 3 Seilschaften à 3 Personen über den Südwestgrat (S, eine Stelle A0) über Kalk, zum Teil abwärts geschichtet, geklettert. Hans Fitzi, Sepp Meier und Hanspeter Kalt waren die „Vorsteiger“. Jegliches Material an Schlaufen, Friends,  Expressschlingen und Karabiner wurde gebraucht! Untereinander wurde ausgeholfen, Flaschenzüge und  Zusatztritte mit Schlaufen eingerichtet, geduldig auf „ich habe Stand“ gewartet bis dann „Kannst kommen“ endlich ertönte….und Christoph – unser geübter Letzter in den Seilschaften – durfte das gesamte an Material jeweils wieder einsammeln.

Es war so anstrengend, es war so herausfordernd, es war so ein langer Grat, es gab so viele happige Stellen für uns alle 3 Seilschaften. Jeder biss auf die Zähne und jeder dachte dasselbe: „Das hört ja NIE auf“! Deshalb unsere einstimmige Namensänderung in „Feindenhorn“.

Um 15 h waren wir auf dem Gipfel. Klar zu spät, aber das interessierte im Moment niemanden, das gegenseitige Schulterklopfen und Zeichen des Respekts über die vollbrachte Leistung war viel wichtiger.

Über die Normalroute ging es zurück zur Fründenhütte. Leider war der Weg eine Schutthalde und absolut für uns müden SAC-ler ein Graus. Wir kamen grad‘ zur Abendessenszeit zurück.

Über 13 h waren wir unterwegs! Geschlaucht und stolz auf unsere Leistungen. Das leckere Essen war ausreichend vorhanden und tat gut. Leider entschieden 3 TeilnehmerInnen, nicht mehr weiters teilzunehmen. Wir bedauerten allesamt ihren Entscheid und verabschiedeten uns von Ihnen.

Da zwischenzeitlich die Fründenhütte fast platzte vor Gästen, bereiteten wir unsere Sachen gleich für den morgigen Aufstieg vor, nahmen noch einen Schlummertrunk und legten uns zeitlich ins Bett.

Doldenhorn (3638 m) über den Galletgrat, 8. Juli 2018

Um 4 Uhr morgens liefen wir 6 Teilnehmer in 3 Seilschaften zu Zweit mit Stirnlampe los.

Erst steigen wir einige Höhenmeter ab, um unterhalb der Hütte von der Moräne auf den Gletscher zu gelangen. Der Abgrund war beeindruckend, deshalb waren die Stellen auch gesichert. Viel Neues (Taue, Ketten und eine Strickleiter) war montiert worden, wie uns der Hüttenwart am Vorabend mitteilte, auch einige Routenänderungen waren für Hans Fitzi wichtig zu wissen.

Wir erreichten ein Felsband, das auf den Grat führt.  Leider war jedoch der Wegverlauf nicht ganz einfach zu finden. Das eine oder andere Steinmännli hätte hier platziert werden können. Hans Fitzi führte uns sehr gut, kein Umdreher war nötig. Firnfelder und weitere Felsbarrieren liessen uns die Steigeisen an- und abziehen. Leider boten hier die Felsen brüchiges Gestein. Es sind Sicherheitsstangen platziert. 

Wir kamen zum Galletgrat und meisterten diesen allesamt bravurös! Eindrücklich und genial – der gesamte „Spitz“. Danach kam eine lange Passage mit Steigeisen im bereits leicht aufgeweichten Schneegrat – es war bereits Mittagszeit. Wir kamen leider nicht so zügig vorwärts, wie es hätte sein sollen….es war streng und der Weg brauchte seine Zeit mit Felsklettereien und dem steilen Firn-Grat, den wir fast ‚auf allen Vieren‘ hochkraxeln mussten; deshalb haben wir auch mit einer Eisschraube gesichert;  auf dieser Höhe wurde es auch merklich kühler.

Doch endlich, die Strickleiter war in Sicht und dann endlich die Gipfelgratulation. Unglaublich: es war wieder 15 Uhr (wie gestern)! Ein wohltuender Vesper, danach ging es auf der Normalroute abwärts über Schotter und Geröllfelder zur Doldenhornhütte, welche wir um 19 Uhr erreichten. Wir waren knapp davor, hier zu bleiben und erschöpft ins Bett zu fallen. Aber die Schreiberin überzeugte alle, dass ein Talgang nach Kandersteg noch zu schaffen sei und trieb alle an. Und wir sassen dann auch alle im Zug um 21 Uhr nach Hause!

Rund 16 h unterwegs! Unglaublich, was wir geleistet haben. In dieser Runde genossen wir einen kleinen Imbiss bei Bretzel, Nüssli, Speck und einem Gläsli Weisswein im Zug.

Und was wurde da auf der Heimfahrt gelacht über jede hängengebliebene Erinnerung, sei es den extremen Krampf an beiden Händen, den Karl-Heinz sehr plagte; sei es eine jammernde Iris, die die Kraft in den Armen verliess, weil das ‚rettende Seil‘ zu weit oben war und „nähmaschinelet“ in den Seilen hängen bleib (die Schreiberin darf über sich selber so berichten☺) oder sei es eine still vor sich fluchende, aber tapfer ausharrende Elfriede, die einem ungeschickten Vorstieg nachstieg…. (es werden keine Namen mehr genannt.. ☺)

Ich selber habe jedoch selten so viel Schokolade in so kurzer Zeit verdrückt und bin ohne Bauchspeck nach Hause gekommen!

Tourenleiter: Hans Fitzi

TeilnehmerInnen: Mariann, Elfriede, Franziska, Iris, Hanspeter, Sepp, Karl-Heinz, Christoph

Text: Iris Mettler

Photos: diverse

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